Was ist ein Zwirnknopf?

Zwirnknopf / Historie

Erinnern Sie sich noch an die kleinen Wäscheknöpfe an Omis Bettwäsche oder an die spitzenbesetzten Wäschestücke aus der Truhe auf dem Dachboden? Das Hemdchen mit den vielen kleinen weißen Knöpfchen...

 

Vom Hungerleider zum Fashionstar

Zwirnknöpfe werden aus textilen Garnen und Zwirnen um Metallringe gewickelt und vernäht. Die Technik des Zwirnknopf-wickelns ist schon fast 400 Jahre alt und wurde im ländlichen Raum in Heimarbeit ausgeführt. Das war eine anstrengende Arbeit, die oft Kinder mit ihren geschickten kleinen Händen machen mussten. So konnten sie zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Verbreitung fand die Herstellung der Zwirnknöpfe im bayerischen Schwaben, in Hessen und Thüringen, in Österreich im Waldviertel und in der deutschsprachigen Region Böhmens, dem Sudetenland und den Niederlanden.

 

Im 18. Jahrhundert spielten Zwirnknöpfe eine bedeutende Rolle bei der Ausstattung der Festtagsgewänder auf dem Land. Vor allem an historischen Trachten der Männer findet man aufwändige Zwirn- und Posamentenknöpfe. Es entwickelten sich regionale Muster und Vorschriften für den Einsatz der Farben und Formen.

Detail eines Herrenmantels, britisch, ca. 1785-90, Bild: Victoria and Albert Museum, London
Detail eines Herrenmantels, britisch, ca. 1785-90, Bild: Victoria and Albert Museum, London

In der gesellschaftlichen Hierarchie kletterten die textilen Knöpfe mit der Nutzung in der höfischen Bekleidungskultur 
des Adels und im Bürgertum der Städte nach oben. Hier trug man die Zwirn- und Posamenten-knöpfe aus edlen Garnen, wie Seide und mit Silber- oder Goldfäden.

    

 

Posamentenknöpfe auf Europatournee

In England und Frankreich entwickelte sich zeitgleich das Handwerk das Posamentenmachers.  Als Posamenten [franz.: passement] bezeichnet man textile Besätze wie Borten, Quasten oder Fransen, aber auch Posamentenknöpfe (Kreuzknopf, Rokokoknopf).
Diese sind aus textilen Materialien gearbeitet. Daraus entwickelte sich ein eigener Beruf, der des Posamentenknopfmachers. Die Handwerker organisierten sich auch in Deutschland und Österreich in Zünften, die auf die Wahrung der Qualität und Tradition achteten.  

Damenrobe, französisch, ca. 1770, Bild: LACMA, Los Angeles
Damenrobe, französisch, ca. 1770, Bild: LACMA, Los Angeles

 

Verschwunden in der Versenkung

Durch die Industrialisierung und das Aufkommen eines neuen Materials für die Knopfherstellung, dem Metall, geriet der gewickelte textile Knopf aus der Mode und beinahe ganz in Vergessenheit. Nun präsentierte der Bauernstand seinen Status in Form von silbernen Knöpfen (umgearbeiteten Geldstücken) an Westen, Jacken und Kleidern. Und an Alltagskleidung konnte billig hergestellte Manufakturware verwendet werden.

Der Knopfindustrie erschlossen sich nun mit der Vielfalt an neuen Materialien, Technologien und Farben und dem daraus resultierenden Formenreichtum ganz neue Möglichkeiten. Aber das ist eine andere Geschichte...

 

Comeback

Mittlerweile hat sich das Blatt der Geschichte erneut gewendet. Der Wunsch nach Individualität, wertiger Handwerkskunst und ein gewachsenes ökologisches Bewusstsein lassen den Zwirnknopf wieder in neuem Licht erstrahlen. Zwirnknopfbegeisterte gibt es wieder überall in Europa. Und sogar in Japan schätzt man die minimalistische Ästhetik der textilen Knöpfe.

 

Ich freue mich, dieses faszinierende historische Handwerk des Zwirnknopfmachens wieder zu beleben, modern zu interpretieren und heute er„lebbar" zu machen. Handgemachter textiler Schmuck aus Zwirnknöpfen und Posamentenknöpfen. Lassen Sie sich in etwas Phantastisches „verwickeln".